Wie du deine Einrichtung kostenlos verbesserst
Du bist mit deiner Einrichtung latent unzufrieden, aber kannst nicht genau benennen, was eigentlich nicht stimmt? Brüh dir einen Tee und mache dich mit den vier Grundprinzipien der Inneneinrichtung bekannt. Diese helfen dir deine Wohnräume erst einmal mit einem Invest von 0€ und ca. 8 Minuten Lesezeit zu analysieren und gegebenenfalls minimal zu verändern um maximale Besserung zu sehen.
Die vier Grundprinzipien der Inneneinrichtung klingt erst mal maximal unentspannt. Ich persönlich hatte lange meine Schwierigkeiten mit Regeln und Formeln in der Inneneinrichtung. Meiner Meinung nach sollte Kreativität nichts sein, dass von Regeln und Formeln umrahmt wird.
Nichtsdestotrotz musste ich nach vielen Jahren auf diesem Gebiet einsehen, dass es einfach einige Prinzipien gibt, mit deren Hilfe ein Design schon mal grundlegend gut wird. Viele Räume, die wir visuell interessant finden, vereinen bei genauerer Betrachtung zu einem gewissen Grad die vier Grundprinzipien der Inneneinrichtung.
Auch wenn man in benachbarte Disziplinen schaut, die mit Farben und Formen arbeiten, finden sich einige dieser Grundprinzipien in gleicher oder ähnlicher Form wieder. Also schadet es nicht, sich das mal näher anzuschauen.
Die vier Grundprinzipien der Inneneinrichtung
Hier ein Einblick in die vier Grundprinzipien der Inneneinrichtung, auf denen jedes gute Design aufbaut.
Farbe
Balance
Rhythmus & Wiederholung
Rahmen und Proportion
Die vier Grundprinzipien der Inneneinrichtung sehe ich persönlich eher als Hilfslinien, auf denen wir uns bewegen. Wichtig ist bei allem die Balance. Nicht jedes dieser Prinzipien muss zu 100 % perfekt erfüllt sein. Der Prozess ist eher fließend und sollte Spaß machen und dir helfen, deine eigene Kreativität auszudrücken und ein für dich persönlich ideales zu Hause zu schaffen. Es gibt, wie so oft im Design und der künstlerischen Arbeit, kein richtig oder falsch.
Farbe
Farbe trägt essenziell zur Stimmung und Atmosphäre im Raum bei. Die Farbwahl beeinflusst die Stimmung im Raum genauso wie unsere eigene. Hier darf ruhig Zeit investiert werden, um eine Farbpalette zu finden, die gut mit dem Raum und unseren eigenen Bedürfnissen harmoniert. Die Farbwahl in einem Raum ist so individuell wie die Bewohner.
Inspirationsquellen können sein:
- Ein Blick in den eigenen Kleiderschrank. Der Modegeschmack kann viel über den eigenen Einrichtungsgeschmack verraten.
- Hobbys, die wir gerne ausüben. Jemand, der gerne Zeit in der Natur verbringt, ist gegebenenfalls mit einer natürlichen Palette mit Grün als Hauptfarbe gut beraten.
- Der Lebensstil. Wer viel unterwegs ist und einen stressigen Alltag hat, möchte nach Hause kommen und so wenig Reizen wie möglich ausgesetzt sein. Da bieten sich mehrheitlich neutrale Farbpaletten an.
Farbe macht den Raum visuell interessant und lässt das Auge wandern. Wenn ich in diesem Zusammenhang über Farbe spreche, ist auch Weiß gemeint. Viele denken, eine weiße Wand ist die Standardeinstellung und dann muss man sich nicht mehr viele Gedanken machen. Warum eigentlich? Auch eine weiße Wand ist eine Wahl und beeinflusst die Stimmung im Raum. Auch von Weiß gibt es viele Schattierungen und man kann ein passendes Weiß für seine Bedürfnisse wählen. Auch da lohnt es sich zu schauen, ob das vom Vermieter gewählte Standard Weiß uns wirklich glücklich macht.
Beispiele für eine gute Farbpalette



Tipp
Achte darauf, dass du nicht immer exakt die gleiche Farbe verwendest, sondern verschiedene Sättigungen der gleichen Farbe. Sonst sieht es schnell zu durchgestylt und nicht natürlich aus


Um seine ganz persönliche Farbpalette zu finden, stelle dir folgende Fragen
- Wie soll sich der Raum anfühlen?
- Was möchte ich in dem Raum machen? Muss er hell sein, oder darf er dunkel sein?
- Zu welcher Tageszeit halte ich mich vermehrt in dem Raum auf? Ein dunkles Grün wirkt abends wesentlich dunkler als am Tag.
- Je nachdem, wie sich der Raum anfühlen soll, kann man das Farbrad zu Hilfe nehmen und sich an Komplementärfarben, analogen Farben oder an der monochromen Palette orientieren.
Bei der Erstellung der Farbpalette ist eine gute Balance zwischen warmen und kühlen Farben wichtig.
Warme Farben
Warme Farben lassen den Raum intimer und gemütlicher wirken

Kalte Farben
Kalte Farben erzeugen eine beruhigende und entspannende Atmosphäre

Drei Tipps zur Farbgestaltung
1. Farbpalette
Raumkonzept auf Farbpalette checken. Gibt es einen roten Faden aus drei bis fünf Farben? → quick fix Deko Elemente hinzufügen oder entfernen. Eine Komposition aus mindestens drei Stücken reicht schon für einen zusammenhängenden Look
2. Balance
Balance zwischen kalten und warmen Elementen herstellen
3. Farbproben
Farbproben aus dem Baummarkt holen und an der Wand befestigen, um zu sehen, wie sie in unterschiedlichen Lichtsituationen wirken und ob sie zum Raum passen
Balance
Balance entsteht durch Symmetrie oder die Abwesenheit dieser.
Symmetrie bezieht sich nicht nur auf die Möbelstücke und Accessoires die wir in den Raum stellen sondern auch auf schon vorhandene bauliche Merkmale wie Fenster, Türen und beispielsweise einen Kamin.
Der Symmetrie Grad hängt auch vom Stil ab, manche Einrichtungsstile “brauchen” mehr Symmetrie als andere. Einrichtungsstile die eher klassisch sind profitieren von viel Symmetrie. Während modernere Stile mit wenig Symmetrie auskommen.
Die Einrichtung dieses Raumes ist eher traditionell und klassisch gehalten. Der Grad an Symmetrie ist eher hoch und schafft dadurch viel Balance aber eben auch ein eher monotones, ruhiges Bild.

Allerdings ist Balance nicht mit Symmetrie gleichzusetzen. Balance entsteht auch in der Farbpalette indem wir, wie oben beschrieben, eine Balance zwischen warmen und kalten Farbtönen und Elemente herstellen. In diesem Raum wird weniger offensichtlich mit Symmetrie, dafür aber mit einer durchgehenden Farbpalette und der Anordnung der Möbelstücke gearbeitet. Der Raum wirkt moderner und weniger klassisch und elegant.

Visuelles Gewicht
Um in einem Raum für Balance zu sorgen hilft das Konzept des visuellen Gewichts. Klingt abstrakt, ist aber eigentlich ganz einfach. Wir brauchen nur etwas Vorstellungskraft.
Ein Sofa zum Beispiel hat mehr visuelles Gewicht als ein Couchtisch mit Beinen.
Ein Couchtisch ohne Beine hat wieder rum mehr visuelles Gewicht als ein Couchtisch mit Beinen.
Um das visuelle Gewicht zu „überprüfen“ teilen wir den Raum imaginär in vier gleichgroße Quadranten ein.

Nun stellen wir uns den Raum mit Möbeln vor. Am besten zeichnen wir das alles auf. Eine einfache Skizze mit Bleistift reicht völlig aus um ein Gefühl zu bekommen.

Nun sehen wir auf den ersten Blick, dass das visuelle Gewicht nicht balanciert verteilt ist. Der Raum würde eigentlich links überhängen, da es dort „zu schwer“ ist. Mit dieser Grundlage können wir überlegen, wie wir den Raum balancierter einrichten können.
Oft denkt man im Zusammenhang mit Inneneinrichtung an schöne Farben und hübsche Kissenhüllen. Ein Großteil der Planungsarbeit sieht aber so aus. Eine Skizze ohne Farbe und konkrete Produkte.
Um unseren Raum balancierter zu gestalten, würde ich Folgendes vorschlagen.

Durch das Hinzufügen des Esstisches haben wir ein Gegengewicht zur Couch mit Couchtisch geschaffen. Das Sideboard wurde an die Wand zum Fernseher gestellt und sorgt jetzt dafür, das der Tür Quadrant balancierter ist. Der Couchtisch wurde ausgetauscht gegen ein kleineres und ovales Model. Der gesamte Couchbereich wurde mit einem Teppich im Raum verankert.
Hier nun beide Räume im direkten Vergleich

Drei Tipps zu Balance
1. Symmetrie
Symmetrie ist ein Werkzeug um einen visuell balancierten Raum zu gestalten. Je traditioneller und eleganter der Raum wirken soll, desto mehr Symmetrie sollte eingebaut werden.
2. Weitere Werkzeuge um Balance zu erzielen
- Balance von warmen und kalten Farben
- Verwendung von drei bis vier verschiedenen Materialarten die sich wiederholen
- Wiederholung der Elemente die wir benutzen schafft auch visuelle Balance
3. Visuelles Gewicht
Teile den Raum in vier Quadranten ein und stelle deine Möbel so, dass keiner der Quadranten „zu schwer“ wird.
Rhythmus & Wiederholung
Wenn wir einen Raum betreten, dann erschließt unser Auge den Raum ganz unterbewusst. Was wir mit guter Inneneinrichtung erreichen wollen ist, dass das Auge auf natürlich Art und Weise durch den Raum wandert. Rhythmus erreichen wir durch:
- verschiedene Höhen. Es sollte sich nicht alles auf einer Linie befinden
- mehrere Lichtquellen. Deckenlampe, Stehleuchte, Tischlampe
- Wanddekoration. Bilder an der Wand, Regale oder andere Elemente zur Wanddekoration
Ich habe hier bewusst zwei Bilder gewählt, die ein Wohnzimmer zeigen, dass etwas minimalistischer in der Farbgebung und der Möbelauswahl gehalten ist. So sehen wir den Unterschied besser.


Woran erkenne ich fehlenden Rhythmus und Wiederholung?

Das Schild hinter der Couch ist weiß und so sieht auf dem ersten Blick etwas leer aus. Unser Auge wandert zu den braunen Stühlen in der Mitte und verweilt dort. Das ist der optische Anker, weil es sonst nicht viel Abwechslung (Rhythmus) gibt. Man kann den Raum weiterhin minimalistisch halten, aber durch ein paar Anpassungen interessanter gestalten.
Wie kann man Rhythmus und Wiederholung einbauen?

Ein Bild hinter dem Sofa in der gleichen Farbpalette würde den Blick optisch verlängern und das Auge mehr wandern lassen. Vorhänge am Fenster würden für etwas mehr Wärme sorgen (Balance) und unser Auge mehr wandern lassen. Eine zusätzliche Lichtquelle sorgt für mehr Gemütlichkeit und Rhythmus sowie Wiederholung.
Wiederholung lässt den Raum zusammenhängend und durchdacht aussehen. Auch hier ist die Balance wichtig. Zu viel Wiederholung wirkt zu durchgestylt und zu wenig wirkt unruhig und nicht zusammenhängend. Wiederholung erreichen wir durch:
- Sich wiederholende Farben aus der Farbpalette
- Deko Elemente
- Stoffe
- Oberflächen

Ein sehr gutes Beispiel für gelungenen Rhythmus und Wiederholung. Die Farbpalette ist recht minimalistisch gehalten aber wiederholt sich konstant. Es gibt verschiedene Lichtquellen und Deko Elemente die es unserem Auge erlauben zu wandern und den Raum zu erkunden.
Rahmen und Proportion
Bei Rahmen und Proportion schauen wir uns an wie die individuellen Möbelstücke zusammenpassen und wie sie sich in den Raum einfügen. Hier geht es um das große Ganze. Wie wirkt der Raum mit allem was sich darin befindet. Hilfreiche Fragen dabei können sein:
- Wie groß ist der Raum und welche “Zonen” gibt es?
- Wie ist die Raumhöhe?
- Gibt es definierende Merkmale wie große Fenster, Kamin oder andere bauliche Merkmale
Beispiel für Rahmen und Proportion

Das ist ein sehr gutes Beispiel für Rahmen und Proportion. Der Raum bietet sehr viel Platz, die Möbel jedoch ist etwas zu klein gewählt. Alles drängt sich auf diesem etwas zu kleinen Teppich. Wenn man mit so einer Raumgröße arbeitet, sollte man durchaus größere Möbelstücke wählen die den Raum mehr ausfüllen.
Dieser Raum bietet schon architektonisch sehr viel Positives. Etwas größere Möbel würden es perfekt machen.
Postives Beispiel Rahmen und Proportion

Dieses Schlafzimmer ist zwar nicht groß, nutzt aber den Raum sehr gut indem es diesen ausfüllt. Die Bank vor dem Bett lässt alles sehr hochwertig und sogar etwas größer erscheinen. Der Teppich ist sehr groß und definiert die Bettzone ausreichend.
Rahmen und Proportion bringt die meisten Regeln mit sich. Allerdings wäre ich hier vorsichtig mit diesem Begriff. Es geht im ersten Schritt darum diese zu kennen um bewusst mit ihnen spielen oder sie brechen zu können.
Tipp: bevor man Möbel kauft, die Maße mit Malerkrepp auf den Boden / Wand kleben und eine Weile damit leben
Aktuell reicht es sich bewusst zu machen, die Raumgröße inklusive Decke zu betrachten und Möbel zu kaufen die diesem entsprechen. Die meisten kaufen tatsächlich eher zu kleine Möbel, Teppiche und Deko Elemente. Auch in kleineren Räumen darf man zu größeren Möbeln greifen, dass lässt den Raum balancierter erscheinen.
Abschluss
Diese Prinzipien bauen zum Teil aufeinander auf und ergänzen sich untereinander und sollten gemeinsam betrachtet werden. Sie kommunizieren miteinander und sind sich im Kern nicht fremd. Sie haben nur etwas andere Ausprägungen. Wenn du also das nächste Mal vor einer Inneneinrichtungsentscheidung stehst, gehe diese vier Schritte mit einem Notizblock durch. Oder du nimmst dir deine Wohnung Raum für Raum vor.
Der erste Schritt zu guter Einrichtung kann also zu Beginn exakt 0 € kosten. Mit der Anwendung eines oder aller dieser Grundprinzipien kann man ganz ohne Geld in die Hand zu nehmen nachprüfen ob man etwas umstellen, umhängen oder um modulieren kann. Der nächste preiswerte Schritt wäre mit etwas Farbe oder Accessoires einen roten Faden zu kreieren und dann analysieren ob es überhaupt die ganz großen Veränderungen sein müssen.
Abschließend ist mir noch wichtig zu sagen, dass eine spannende Einrichtung genau dann entsteht, wenn man auch ganz bewusst diese Grundprinzipien bricht und damit spielt. Aber eins nach dem anderen.
Love, Inna

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